Orientierung aus der Praxis
Risikozuschlag in der PKV: so unterschiedlich bewerten Versicherer Vorerkrankungen
Kurz gesagt
Dieselbe Vorerkrankung kann bei einer Gesellschaft ohne Zuschlag angenommen und bei einer anderen abgelehnt werden. Die Übersicht zeigt aus über 100 anonymen Risikovoranfragen unserer Praxis, wie weit die Ergebnisse auseinanderliegen und in welcher Größenordnung Zuschläge typischerweise liegen. Sie ist eine grobe Orientierung und ersetzt keine eigene Voranfrage.
Einordnung
Warum die Ergebnisse so weit auseinanderliegen
Versicherer entscheiden nicht nach der Diagnose allein. Ob eine Vorerkrankung ohne Zuschlag, mit Zuschlag, mit Leistungsausschluss oder gar nicht versichert wird, hängt vor allem von drei Dingen ab:
- Schweregrad und Verlauf der Erkrankung
- Ob die Behandlung abgeschlossen ist und seit wann Sie beschwerdefrei sind
- Welche Behandlungen und Medikamente noch nötig sind
Dazu kommt, dass jede Gesellschaft eigene Annahmerichtlinien hat. Ein Versicherer kann ablehnen, was ein anderer ohne Zuschlag annimmt.
Übersicht
Häufige Vorerkrankungen: welche Ergebnisse vorkamen
Die Skala zeigt, welche Voten die Gesellschaften in unseren anonymen Voranfragen tatsächlich abgegeben haben. Das häufigste Ergebnis ist hervorgehoben. Ein nicht markiertes Ergebnis ist nicht ausgeschlossen, es kam in den ausgewerteten Anfragen nur nicht vor.
- häufigstes Ergebnis
- kam ebenfalls vor
- kam nicht vor
- Ausschluss:
- versichert, aber ohne Leistungen für diese Erkrankung
-
Bluthochdruck
Wichtig für das Votum: Wie gut der Blutdruck eingestellt ist und ob Herz, Nieren oder Gefäße betroffen sind.
Vorgekommene Ergebnisse: ohne Zuschlag, mit Zuschlag, Ablehnung. Häufigstes Ergebnis: mit Zuschlag.
Typischer Zuschlag im Monat
etwa 45 bis 95 €
-
Schilddrüsenunterfunktion, Hashimoto
Wichtig für das Votum: Ob die Werte mit Medikament im Normbereich liegen und ob Knoten bekannt sind.
Vorgekommene Ergebnisse: ohne Zuschlag, mit Zuschlag, Ablehnung. Häufigstes Ergebnis: mit Zuschlag.
Typischer Zuschlag im Monat
etwa 25 bis 35 €
-
Allergie, Heuschnupfen
Wichtig für das Votum: Ob die Beschwerden nur zu bestimmten Jahreszeiten auftreten und ob die Atemwege mitbetroffen sind.
Vorgekommene Ergebnisse: ohne Zuschlag, mit Zuschlag, Ablehnung. Häufigstes Ergebnis: mit Zuschlag.
Typischer Zuschlag im Monat
meist um 25 €, teils bis 75 €
-
Asthma
Wichtig für das Votum: Schweregrad, Dauermedikation und ob es in den letzten Jahren Anfälle oder Klinikaufenthalte gab.
Vorgekommene Ergebnisse: ohne Zuschlag, mit Zuschlag, Ablehnung. Häufigstes Ergebnis: mit Zuschlag.
Typischer Zuschlag im Monat
etwa 60 bis 75 €
-
Bandscheibenvorfall
Wichtig für das Votum: Wie viele Vorfälle es gab, ob operiert wurde und seit wann Sie beschwerdefrei sind.
Vorgekommene Ergebnisse: mit Zuschlag, Ablehnung. Häufigstes Ergebnis: Ablehnung.
Typischer Zuschlag im Monat
etwa 20 bis 50 €
-
Knie (Meniskus, Kreuzband, Knorpel)
Wichtig für das Votum: Ob operiert wurde, ob ein Knorpelschaden bleibt und ob noch Beschwerden bestehen.
Vorgekommene Ergebnisse: ohne Zuschlag, mit Zuschlag, Ablehnung. Häufigstes Ergebnis: mit Zuschlag.
Typischer Zuschlag im Monat
etwa 20 bis 85 €
-
Migräne
Wichtig für das Votum: Wie häufig die Anfälle sind, ob eine Aura auftritt und welche Medikamente nötig sind.
Vorgekommene Ergebnisse: ohne Zuschlag, mit Zuschlag, Ausschluss. Häufigstes Ergebnis: mit Zuschlag.
Typischer Zuschlag im Monat
etwa 40 bis 85 €
-
Neurodermitis
Wichtig für das Votum: Wie stark die Haut betroffen ist und ob Tabletten oder Spritzen nötig sind.
Vorgekommene Ergebnisse: ohne Zuschlag, mit Zuschlag, Ablehnung. Häufigstes Ergebnis: mit Zuschlag.
Typischer Zuschlag im Monat
sehr unterschiedlich
-
Schuppenflechte (Psoriasis)
Wichtig für das Votum: Ausprägung, ob Gelenke betroffen sind und welche Therapie läuft.
Vorgekommene Ergebnisse: mit Zuschlag, Ablehnung. Häufigstes Ergebnis: mit Zuschlag.
Typischer Zuschlag im Monat
etwa 65 bis 150 €
-
Übergewicht
Wichtig für das Votum: Die Höhe des BMI und ob Folgeerkrankungen wie Bluthochdruck oder erhöhte Blutfette bestehen.
Vorgekommene Ergebnisse: ohne Zuschlag, mit Zuschlag, Ablehnung. Häufigstes Ergebnis: mit Zuschlag.
Typischer Zuschlag im Monat
stark abhängig vom BMI
-
Abgeschlossene Psychotherapie
Wichtig für das Votum: Wie lange die Therapie zurückliegt, Anlass und Diagnose sowie die Zahl der Sitzungen.
Vorgekommene Ergebnisse: ohne Zuschlag, Ablehnung. Häufigstes Ergebnis: Ablehnung.
Typischer Zuschlag im Monat
in der Regel kein Zuschlag
So ist die Übersicht entstanden: Grundlage sind anonyme Risikovoranfragen aus meiner Beratungspraxis und der meiner Kollegen bei Die PKVler. Ausgewertet sind nur Voranfragen mit genau einer Diagnose. Die Beträge sind Monatszuschläge für die jeweils angefragten Tarife. Weil Versicherer den Zuschlag meist als Prozentsatz des Tarifbeitrags berechnen, hängt der Eurobetrag vom Tarif ab. Stand: September 2026.
Ehrliche Einordnung
Bei diesen Diagnosen ist eine Annahme in der Regel nicht möglich
Nach meiner Erfahrung lehnen die Gesellschaften bei den folgenden Diagnosen fast immer ab. Das sage ich Ihnen lieber vorher, bevor Sie Zeit in einen Antrag stecken.
Psychische und neurologische Erkrankungen
- ADHS
- Laufende psychotherapeutische Behandlung
- Einnahme von Antidepressiva
- Autismus
- Multiple Sklerose
- Tourette-Syndrom
Herz, Kreislauf und Gefäße
- Herzinfarkt, Stent oder Bypass
- Schlaganfall, Hirntumor oder Aneurysma
Stoffwechsel und chronische Erkrankungen
- Diabetes Typ 1 und Typ 2
- Starkes Übergewicht (BMI über 35)
- Magenverkleinerung
- Chronische Darmerkrankungen (Colitis ulcerosa, Morbus Crohn)
- Schlafapnoe
- Schrumpfniere
- HIV
Krebs und Bewegungsapparat
- Krebs, besonders nach Chemotherapie
- Morbus Bechterew
- Rheuma
- Osteoporose
- Arthrose
Schwierig, aber prüfbar
- Epilepsie: prüfbar, aber nur bei sehr wenigen Gesellschaften
- Migräne mit Aura: versicherbar, meist mit hohem Zuschlag
Liegt eine Erkrankung lange zurück und ist sie ausgeheilt, kann sich eine anonyme Voranfrage im Einzelfall trotzdem lohnen.
Ausnahme für Beamte
Über die Öffnungsaktion der PKV werden Beamte und Beamtenanwärter, die innerhalb von sechs Monaten nach ihrer ersten Verbeamtung einen Antrag stellen, bei den teilnehmenden Versicherern nicht wegen Vorerkrankungen abgelehnt. Der Risikozuschlag ist auf höchstens 30 Prozent begrenzt, Leistungsausschlüsse gibt es nicht.
Mein Vorgehen
Bei Vorerkrankungen frage ich immer zuerst anonym an
Eine offizielle Ablehnung oder erschwerte Annahme kann spätere Anträge belasten und bei weiteren Anträgen offenzulegen sein. Deshalb stelle ich bei Vorerkrankungen zuerst eine anonyme Risikovoranfrage.
Übermittelt werden nur Ihr Geburtsdatum, Ihr Beruf und Ihre Gesundheitsangaben, ohne Namen und Adresse, und zwar an mehrere passende Gesellschaften gleichzeitig. So sehen Sie, wer zu welchen Bedingungen annimmt, bevor Sie irgendwo einen Antrag stellen.
Wie ich Ihre Gesundheitsangaben dafür vorbereite, lesen Sie auf der Seite PKV-Gesundheitsprüfung.
Nächster Schritt
Wie bewerten die Versicherer Ihre Vorgeschichte?
Buchen Sie ein kurzes Erstgespräch. Wir klären Ihre Ausgangslage, Ihre Vorerkrankungen und ob eine anonyme Risikovoranfrage für Sie sinnvoll ist. Die Beratung ist kostenlos.
FAQ
Häufig gestellte Fragen
Antworten zu Risikozuschlag, Leistungsausschluss und Ablehnung in der PKV
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